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Fährt man mit der Straßenbahn ein paar Haltstellen aus dem Zentrum in Richtung Osten, weht einem weder ständig ein übler Hopfengeruch einer Brauerei entgegen, noch wird man von einer Horde Nazis attackiert. Reudnitz, dessen slawischen Einwanderer ihm 1284 den Namen „Rudeniz“ [rudny bedeutet Rodung oder Urbarmachung] gaben, wird oftmals leider vorschnell mit diesen Vorurteilen konfrontiert. Dabei bietet der Stadtteil, der durch günstige Mieten besonders bei Studenten und jungen Berufstätigen an Beliebtheit gewinnt, weniger das ländliche Siedlungsflair, sondern orientierte sich bereits früher - wie der Name schon sagt - an der zunehmenden Verstädterung. Hinter einer kleinen Grünanlage, in der Breitkopfstraße, wohnt Markus. Der Diplom-Journalistik und Soziologiestudent aus Göttingen erklärt, ![]()
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dass ihn das Interesse "am Osten" nach Leipzig lockte und erzählt von der Schönheit ungeliebter Stiefkinder.
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Wie lange wohnst du schon hier und wie bist du dazu gekommen?
Genüsslich kaut Markus 12 Uhr mittags, der seit Wintersemester 2008/2009 in seiner Reudnitzer WG lebt,an seinem Frühstücksbrötchen. Aktuell arbeitet er an seiner Diplomarbeit - vor ein paar Jahren ist er aus Neugier nach Leipzig gezogen:
„Bevor ich in diesen Stadtteil gezogen bin, habe ich bereits Connewitz und die bei Studenten beliebte Südvorstadt kennen gelernt. Für mich sind das Wichtigste an der Wohnungssuche aber nicht die Stadtteile, sondern die Mitbewohner. Ich habe ungefähr 50 WG´s besucht und musste mich durch eine hohe Absagenflut einfach einmal auf etwas festlegen.“
           Absagenflut?
„Ja, ich habe manchmal zu hoch gepokert: ich war mir sicher, eine von den WG´s zu bekommen, die ich selber gut fand. Dann habe ich den anderen, wo ich das Zimmer zu teuer oder zu klein fand abgesagt, weil ich auf ein Preiswerteres spekuliert habe. Aber auch diese waren dann teilweise vergeben."Â
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           Und wo hast du gesucht?
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Markus überlegt: „Ich bin über die üblichen Wohnungsportale für Studenten gegangen - studenten-wg.de und wg-gesucht.de - und habe an den Aushängen der Uni nachgeschaut. Ein Wohnungsmakler ist meiner Ansicht nach Schwachsinn. Ich schätze die persönliche Auswahl.“
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 Nenn´ uns fünf Sachen, die für dich das „must have“ einer Wohnung sind!
„Menschen!“
...na Markus, wir wollen doch nicht geizen, oder?!
„Ein Garten mit Palmen und Fußballfeld.“
Sehnsüchtig dreht er den Blick zum Küchenfenster hinaus.
„...ein groß angelegter Wellnessbereich mit Sauna und Whirlpool.“
Gut, nur die Massage fehlt noch. Kehren wir aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück:
„eine Spülmaschine, die ist extrem wichtig für das WG-Leben.“
Entweder aus Gründen der Bescheidenheit oder inneren Zufriedenheit über das bisher Gesagte verzichtet Markus auf einen fünften Wunsch und widmet sich geschwind der nächsten Frage.
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Warum denn jetzt eigentlich Reudnitz? Was ist das Besondere hier?
Nachdem die nächste Brötchenhälfte geschmiert ist und Markus ein Schluck Kaffee zu sich genommen hat erzählt er, dass er Reudnitz doch sehr mag, obwohl es ihm andere ausgeredet haben:![]()
„Eigentlich hat der Charakter von Reudnitz ja einen schlechten Ruf - dem ist aber in Wahrheit überhaupt nicht so.“
           Und - Warum? - möchte man natürlich jetzt wissen:
„Es gibt hier den Friedens- und den Lene-Voigt Park und darüber hinaus liegt ein großer Teil von Reudnitz in unmittelbarer Nähe - 7 bis 10 Minuten mit der Bahn oder dem Rad - zum Stadtzentrum. Dafür hat es weniger Kneipen, als beispielsweise die Südvorstadt.“
           Obwohl...
„Man möchte aber doch sowieso nicht immer in die Kneipen in unmittelbarer Nähe gehen. Selbst wenn, ist Reudnitz hier mit dem bei Studenten beliebten „4 Rooms“ und dem Biergarten "Substanz" gut ausgerüstet.“
           Markus bleibt die Frage:
„"Ist Reudnitz am Ende der Welt?" Habe ich öfter gehört - Definitiv: Nein.“
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Was ist deiner Meinung nach wichtig, BEVOR, der Mietvertrag unterschrieben wird?
Markus räumt so langsam den Frühstückstisch ab und überlegt. Nach und nach fallen ihm ein paar Tipps ein:
„Zuerst sollte man wahrscheinlich im Mietvertrag auf das Kleingedruckte schauen, da könnten immer mal ein paar Sachen stehen, die man so nicht erwartet. Aus dem Mietvertrag müsste ja auch hervorgehen, wie sich die Kosten zusammensetzen, sowie welche Rechte und Pflichten die Mieter haben.“
Und noch ein paar Tipps für die erste Wohnungsbegehung?
Markus antwortet: „Ja, schaut unbedingt nach, dass ihr nicht zu viele Außenwände habt und vielleicht auch nicht im Erdgeschoss wohnt. Das spart Heizkosten!“
           Außerdem...
"Bei vollsanierten Wohnungen sind die Fensterdichtungen meistens neu, diese lassen logischerweise weniger Luft durch, wodurch sich Kondenswasser sammeln kann. Das könnte zu Schimmel im Zimmer führen - bei alten Fenstern dagegen geht mehr Luft durch, dafür ist es aber auch kälter."
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Zeig´ mir doch einmal den besten Platz in deiner Wohnung!
Markus ist der erste „Wohnungsvorsteller“, der bei dieser Frage etwas länger überlegen muss, dann purzelt es aber heraus:
     „Ja - mein Bett. Wie sollte es anders sein?!“
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Wie sieht es hier mit der Infrastruktur aus?
„Hier gibt es alles. Man kommt von hier nach dort - und anders herum.“
           Markus zweifelt nicht lange:
„Auto. Bus. Bahn. Taxi. Es gibt alles und das Zentrum ist ja nicht weit entfernt. Es gibt sogar ein großes Einkaufcenter, in dem man den halben Tag verbringen könnte.“
Könnte. Könnte...grinst Markus mit dem leisen Hauch von Ironie im Gesicht.
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Zum Abschluss: Die Reudnitz´sche Empfehlung in einem Satz!
„Reudnitz - das unverdient, ungeliebte Stiefkind.“
Dieser Satz grenzt schon an metaphorische Perfektion. Wir schätzen soviel Kreativität und sagen Danke für das entspannte Gespräch. Türe zu und zurück Richtung Zentrum. Seid ihr an einer Wohnung in Reudnitz interessiert, führt euch vom Zentrum aus immer Straßenbahn 4 (Richtung Stötteritz), sowie Straßenbahn 7 (Richtung Sommerfeld) und teilweise auch Straßenbahn 15 (Richtung Meusdorf) nach Reudnitz. Schaut vorbei - es lohnt sich!
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